Der Salon im Hotel

VOM ADEL ÜBER DAS BÜRGERTUM IN DEN HOTELSALON

Gemeinsames Plaudern und Trinken, Karten- und Gesellschaftsspiele, Musizieren, Vorlesen, Theaterspiele…
So unterhielten und entspannten sich Adel und Royals über Jahrhunderte. Ein Zeitalter ohne Unterhaltungselektronik: Sie beschäftigten Musiker, um sich abends im Kreis geladener Gäste zu unterhalten, sie engagierten Gaukler, Spaßmacher und Schauspieler. Ein berühmtes Beispiel ist William Shakespeare.
Er wurde – seinem Biographen A.L.Rowse zufolge – vom Earl von Southampton beauftragt, zum Hochzeitsfest der Mutter des Earl in deren Londoner Palast und Gartenanlage ein Theaterstück aufzuführen. Und Shakespeare brachte seine Komödie <Ein Sommernachtstraum> zur Ur-Aufführung! Der junge Earl soll darin wohl auch gleich selbst mitgespielt haben…
Diese abendlichen Zusammenkünfte in festlichem Rahmen bezeichnete man als <Abendgesellschaft>, frz.: <Soiree>. Sie waren dem Adel vorbehalten und fanden stets in den Schlössern und Palästen, deren Salons und Parkanlagen statt.
Das „einfache Volk“ belustigte sich zumeist auf öffentlichen Dorfplätzen und Jahrmärkten.

Die Französische Revolution von 1789 brachte einen gesellschaftlichen Wandel:
Der Adel verlor – und das Bürgertum gewann zunehmend an Macht und Einfluss.
Einige Statussymbole und Gepflogenheiten des Adels wurden vom Bürgertum assimiliert.
Dazu gehörte auch die Abendgesellschaft, die Soiree, die den Weg aus den Königshäusern nun in den bürgerlichen Salon fand…
Frauen spielten dabei eine besondere Rolle. Da ihnen der Zugang zu Universitäten verwehrt war, gaben sie sich selbst und ihren Gästen in ihren privaten Salons Freiraum für politische Diskussionen und intellektuellen Gedankenaustausch. Und auch in Zeiten politischer Zensur „blühte“ der private Salon als Zufluchtsort für freien Ideenaustausch.
Die Salonkultur war eine typisch europäische Tradition und wurde – ausgehend von Paris – u.a. auch in Berlin, Prag, St. Petersburg, München und Wien gepflegt.
Salons wurden traditionell von den „Damen der Gesellschaft“ als Gastgeberinnen geführt. Doch öffneten zunehmend auch Künstlerinnen – wie z.B. Gertrude Stein in Paris um 1900 – ihre Salons. Diese wurden zum Ort des Austauschs für Künstler und Intellektuelle,  Treffpunkt für die Avantgarde um 1900.
In Wien musste die letzte große Salonniere Berta Zuckerkandl die Tradition des Salons im Jahr 1938 beenden – durch ihre Flucht vor dem Nationalsozialismus…

In der kulturellen Hochblüte des Fin de Siecle – zwischen 1890 und 1914 – war Abbazia ein eleganter Kurort der K.u.K.Monarchie Österreich-Ungarn. Und Treffpunkt vieler prominenter Künstler aus dem Wien um 1900:
Gustav Mahler, Arthur Schnitzler, Rainer Maria Rilke trafen hier auf die Tänzerin Isadora Duncan, auf Albert Einstein und Anton Tschechow…
Kaiser Franz Joseph I. empfing in Abbazia den deutschen Kaiser Wilhelm II.
Und Kaiserin Elisabeth spazierte die berühmte Uferpromenade „Lungomare“ am Meer entlang…
Villa um Villa wurde von den Wienern um 1900 in Abbazia erbaut, und wer die Schönheit und das milde Klima genießen wollte, war auf private Einladungen in private Villen angewiesen. Bis im Jahr 1884 die erste „Pension“ erbaut war und eröffnet wurde: das „Quaderno“. Ab diesem Zeitpunkt war es möglich, auch ohne private Einladung Logis in Abbazia zu nehmen: gegen Entgelt im „Quaderno“. Bald folgten weitere „Pensionen“ und Hotels… und die Wiener Südbahngesellschaft baute die Infrastruktur mit einem Bahnnetz von Wien über den Semmering bis nach Abbazia aus…
Der Grundstein eines neuerlichen Wandels war gelegt: der Beginn von modernem Tourismus und Hotellerie…

Und nun führt unser künstlerischer Weg vom privaten literarischen Salon der großbürgerlichen Gesellschaft…   in seinen „Nachfolger“, den kommerziellen Hotelsalon…

Text © 2016 Elisabeth Biedermann

WIEN UM 1900

ARTHUR SCHNITZLER:

„GESPRÄCH IN DER KAFFEEHAUSECKE“

Das THEATER DES WANDELS zeigt eine literarische Rarität aus Arthur Schnitzlers Nachlass, mit einer „Einführung von Berta Zuckerkandl“, der berühmtesten Salonniere in Wien um 1900.

A. Schnitzler "Gespräch in der Kaffeehausecke"

Mit Christian Kainradl als ANATOL, Elisabeth Biedermann und Michael Schusser

Konzept & Regie: Elisabeth Biedermann

ARTHUR SCHNITZLER (1862 bis 1931) war einer der bedeutendsten jungen Schriftsteller in Wien um 1900. Gemeinsam mit Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal und Richard Beer-Hofmann war er einer der Hauptvertreter des JUNGEN WIEN, der literarischen WIENER MODERNE.

Schnitzler wurde auch oft „das literarische Pendant“ zu Sigmund Freud genannt,
der zur selben Zeit in Wien seine Psychoanalyse entwickelt hat.

Seinen Dramenzyklus ANATOL schrieb Schnitzler in den Jahren 1888 bis 1892. Während dieser Zeit – etwa um 1890 – entstand auch sein Text „Gespräch in der Kaffeehausecke“, in dem er die Hauptfigur „Anatol“ nennt.

Dieser Text wurde von ihm dann nicht weiter bearbeitet – und erst in seinem Nachlass gefunden und posthum herausgebracht.

Das THEATER DES WANDELS möchte diese literarischen Raritäten nun in Aufführungen wieder verlebendigen…

und „Berta Zuckerkandl“ wird in den Hintergrund des Wien um 1900 einführen…

Sehen Sie hier einen Live-Mitschnitt aus der Generalprobe von 28. Juli und der Aufführung von 1. August 2016 im Salon des Hotel König von Ungarn Wien:
Arthur Schnitzler „Gespräch in der Kaffeehausecke“

Foto © 2016 Sayed El Goukhi

Text © 2016 Elisabeth Biedermann